Alexander Ruhe: Unterartikel zu: Friedhofskrawall 1885.  1879 - die Beerdigung des sozialdemokratischen Professors Gambs. Januar 2026

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

1885 vor Gericht hatte der angeklagte Polizei-Kommissar die Beerdigung des mit  80 Jahren verstorbenen Prof. Gambs als "ein stürmisches Begräbnis" bezeichnet. Das trifft es durchaus.

Schon in der Sterbewohnung, von der der Trauerzug zum Friedhof führen sollte, waren Polizisten anwesend und begleitet von vielen Polizisten, darunter mehr als 20 berittene, schritt man nun zum Friedhof. Dort angekommen ordnete Kommissar Meyer an, dass alle roten Schleifen von den Kränzen entfernt werden müssten, erst dann ging es weiter. Niemand durfte reden. Als ein Verwandter des Toten aber, als das Grab schon zugeschaufelt wurde, doch ein paar Worte sagen wollte und dazu noch eine Rote Schleife in das offene Grab geworfen wurde, unterbrach Meyer, oben auf dem Erdhaufen stehend, das Ganze, ließ den Totengräber ins offene Grab steigen und die Schleife wieder hausholen. Die Beerdigung wurde jetzt abgebrochen und alle Trauergäste mussten den Friedhof umgehend verlassen.

Als im Oktober 1879 dann in Bockenheim - damals noch nicht zu Frankfurt gehörig - einer der Führer der dortigen Sozialdemokratie, der Steindrucker Georg Müller,  zu Grabe getragen wurde, erschien am Vorabend der Beerdigung der Beerdigung die Polizei bei dessen Familie und verlangte, dass der mahagoniefarbene Sarg schwarz übertüncht werden müsse. Der Trauerzug von 1000 Personen wurde dann begleitet von 50 Polizisten, die die Einhaltung der Sozialistengesetze überwachten.

 

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